Welcome to Australia – Teil 29

Abby verstand es immer wieder mich in einen beschämten Zustand zu setzten, sprich das Rot von vorhin wurde noch weitaus mehr übertroffen.

„… ähm wieso… ich küsse doch auch Berry.“

„Dass zählt nicht.“

„Wieso denn?“

„Ich habe von einem Mann gesprochen!“, grinste sie weiter und ließ mich stehen.

Hinter mir hörte ich ein Geräusch und ich drehte mich herum. Es war Berry, der auf seinem Fahrrad ankam.

„Ähm…, wie kommst du zu deinem Fahrrad…, ich dachte das steht noch…“

Ich beendete den Satz nicht, weil die Bilder wieder kamen.

„Ein Constable hat sie uns vorbei gebracht, deins und Molly ihrs, stehen auch bei uns.“

Er stieg ab und nahm mich in den Arm, soweit wie das mit einem Fahrrad in der Hand möglich war.

„Wie war dein Vormittag?“

„Beruf ausprobiert und dann von zwei Männern geküsst worden…“

„Hä?

Ich fing an zu kichern, Berrys Gesichtsausdruck war köstlich. Als ich mich wieder eingekriegt hatte legte ich meinen gesunden Arm um seinen Hals.

„Könnten wir dieses Gespräch auf meinem Bett fortführen?“

„Ja…, aber…“

„Aber was?

„Das geht nur wenn du mich wieder loslässt.“

Nun fing er an zu lachen und ich ließ ihn los. Als Berry sein Fahrrad abgestellt hatte und wir gerade die Stufen hinauf liefen, kam uns Molly entgegen.

„Hallo Berry, ich… nanu, wo hast du denn dein Fahrrad her?“

„Das hat mir ein Constable gebracht…, deins steht übrigens auch bei uns.“

„Das trifft sich gut, ich wollte eh gerade zu Lesley…, dann bis später.“

„Ja bis später“, meinte ich.

Sie lief an uns vorbei Richtung Straße. Ich dagegen zog Berry ins Haus und dann in mein Zimmer. Aber anstatt, wie vermutet, legte sich Berry, nach dem er die Schuhe ausgezogen hatte, nicht neben mich, sondern setzte sich auf mich.

„He, was soll das?“

„Du hast da von Männerküssen geredet, dass will ich jetzt genauer wissen!“

„Oh, wie süß, mein Freund und eifersüchtig.“

„Und?“

„Und was?“

„Erzähl!“

„Was denn?“

Anscheinend hatte ich es nun zu weit getrieben, denn ich spürte plötzlich, wie sich Berrys Finger in meine Seite bohrte.

„AAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.“

„Erzählst du es mir nun?“

„Habe ich doch schon, ich bin von zwei Männer geküsst worden.“

Wieder fuhr ein Finger in meine Seite.

„AAAAAaaaaaaaaa Berry man, ich habe es dir doch gesagt!“

„Geht das auch im Detail?“, fragte Berry und zückte wieder seinen Finger.

„Georg und Fred waren da und ich habe mit Fred den Umbau besprochen und zum Abschied bekam ich von beiden ein Küsschen…“, ratterte ich schnell herunter.

Und wieder fuhr ein Finger zwischen meine Rippen.

„Aaaaaaaaaaaahhh, man für was war das jetzt?“, fragte ich schon ärgerlich.

„Für nichts…, es macht Spaß dich zu kitzeln.“

„Boah geh von mir runter“, erwiderte ich verärgert und fing an mich aufzubäumen.

Aber ich hatte dabei etwas Entscheidendes vergessen, meinen Arm.

„AU!“

„Tom…, entschuldige…, das wollt ich nicht… Tom…“

Berry hüpfte wie von der Tarantel gestochen von mir und fiel neben dem Bett auf die Knie. Ich drehte meinen Kopf zu ihm und schaute ihn ernst an, bevor ich mich nicht mehr zurück halten konnte und laut anfing zu lachen.

„Och du… du… du“, stotterte Berry.

„Süßester Traumboy der Welt?“, beendete ich seinen Satz.

Berry schüttelte den Kopf.

„Du bist unmöglich!“

„Weiß ich, das liebst du doch so an mir!“

Er wollte mich gerade küssen, als die Tür aufgerissen wurde.

„Alles klar, To… oh…, entschuldigt, ich hatte Schreie gehört.“

Bob stand mit einem besorgten Gesicht in meiner Tür. Wir konnten nicht anders und fing zu lachen an.

„Bob, das tut mir Leid“, begann Berry. „aber ich musste Tom maßregeln, weil er sich von anderen Männer küssen lassen hat.“

„Bitte?“, kam es von entsetzt von Bob, aber ich sah, dass das nur gespielt war, denn er war auch kurz davor los zu lachen.

„Ja, er lässt sich einfach küssen!“

„Nein, ich meinte, dass du meinen Neffen ungefragt maßregelst.“

Ich konnte nicht mehr und prustete los, während Berry die Kinnlade herunter fiel. Er merkte, dass er auf verlorenen Posten stand und gegen Bobs Späße nicht ankam.

*-*-*

Berry

Ich war noch eine Weile bei Tom geblieben und gemeinsam träumten wir, wie sein Reich nach dem Umbau aussehen könnte. Jetzt saß ich aber zu Hause und überlegte selbst, wie mein neues Zimmer unter dem Dach wohl aussehen könnte.

Oben ging die Klingel und weil ich nicht hörte, ob jemand die Haustür öffnete, rannte ich die Treppe hinauf. Natürlich war niemand an der Tür, so öffnete ich. Riley stand vor dem Haus.

„Hallo Berry.“

„Hallo Riley.“

„Ist deine Mutter da?“

„Ja, sie müsste hier irgendwo herum schwirren, komm doch herein.“

„Ich kann nicht…“, meinte er und zeigte auf seinen Wagen.

Ich beugte mich etwas nach vorne und konnte Timothy entdecken, der aber keine Anstalten machte auszusteigen.

„Moment, ich hole sie!“

„Danke!“

So lief ich ins Haus.

„Mum? Wo bist du?

„Hier oben!“, hörte ich ihre Stimme.

So rannte ich die Treppe hinauf und fand sie in dem fast leeren Speicherraum.

„Da habt ihr heute aber allerhand geschafft“, meinte sie und ließ ihr Blick durch den großen Raum gleiten.

„Riley ist unten.“

„Er kann doch hochkommen.“

„Eben nicht, er steht vor dem Haus…, ich glaube er hat Probleme mit Timothy.“

„Oh…“

So lief ich die Treppe wieder hinunter, dich gefolgt von meiner Mum. Kurz darauf waren wir vor dem Haus.

„Hallo Riley“, sagte Mum und begrüßte ihn mit einer kleinen Umarmung und einem Kuss.

„Hallo Linda…, es tut mir Leid, wenn ich deine Hilfe benötige, aber ich habe ein großes Problem und weiß nicht mehr weiter.“

Dabei schaute er Richtung Timothy.

„Was ist geschehen?“, fragte Mum.

„Seit wir von den Millers vor zwei Tagen nach Hause gefahren sind, redet er kein Wort mehr, er schaut nur nach unten und weint ab und zu.“

„Es hat sich also nicht gebessert?“

Riley schüttelte den Kopf. Mum ließ ihn los und lief zum Wagen. Sie öffnete die Tür des Wagens und beugte sich etwas nach vorne.

„Timothy, möchtest du nicht mit hinein kommen?“

Mittlerweile stand ich neben Mum getreten und sah dass Timothy nicht reagierte. Mum drehte sich zu Riley.

„Wie hast du ihn denn in den Wagen bekommen?“

„Getragen…“, antwortete er verlegen.

Sie hob die Arme leicht und zuckte mit den Schultern.

„Mum, darf ich es vielleicht mal probieren?“

„Du?“

„Ja!“

Sie trat ein Schritt zur Seite und ließ mich an die offene Wagentür.

„Timothy?“

Er reagierte nicht. Mum wollte etwas sagen, doch ich hob die Hand. Ich wusste nicht, was mich geritten hatte, aber ich beugte mich nach vorne und küsste ihn.

„BERRY!“

Ich reagierte nicht auf den Ruf meiner Mutter, sondern küsste ihn weiter. Langsam spürte ich ein leichtes Entgegenkommen von Timothys Seite. Plötzlich spürte ich eine Hand auf der Brust die mich mit aller Kraft weg drückte.

Natürlich blieb nicht aus, dass ich mir den Kopf an der Wagendecke anschlug.

„Bist du verrückt?“, hörte ich Timothys Stimme.

Kopfreibend drehte ich mich zu Mum und Riley. Mum schüttelte den Kopf.

„Er ist wieder bei sich“, meinte ich und trat zur Seite.

Timothy stieg aus und Riley bremste ihn, in dem er ihn in den Arm nahm.

„Was sollte das eben?“, fragte Riley ärgerlich.

Riley atmete tief durch.

„Ich bin zwar etwas irritiert über die Art und Weise, wie Berry dich gerade erweckt hat, aber es hat seinen Sinn erfüllt.

„Erweckt? Er kann mich doch nicht einfach küssen!“

„Timmy, seit zwei Tagen hängst du da, sprichst du kein Wort und weinst immerzu.“

„Zwei Tage?“

„Kann es sein, dass der Junge unter starken Schock stand und du es einfach nicht bemerkt hast?“, fragte Mum.

Riley sah sie entsetzt an.

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