Good bye Amerika – Teil 21

Berry lief rot an, doch bevor er etwas sagen konnte, hörten wir Geräusche auf dem Flur.

„Tom?“, hörte ich Abbys Stimme.

„Hier in der Toilette“, antwortete Berry neben mir.

Die Tür ging auf und Abby schaute herein.

„Alles klar?“, fragte sie.

„Ich musste mal.“

Dumme Antwort ich weiß, aber es stimmte ja.

„Was macht sein Fieber?“

Diese Frage ging wohl an Berry, der immer noch neben mir stand und mich festhielt.

„Habe ich noch nicht gemessen.“

„Okay. Hast du Hunger, Tom?“

Ich hörte in mich hinein und stellte fest, dass mein Magen wirklich etwas vertragen könnte. Ich nickte.

„Gut, ich mach euch etwas und bringe es dann auf dein Zimmer.“

Ui, Frühstück auf dem Zimmer, was für ein Service! Abby verschwand und Berry brachte mich in mein Zimmer zurück. Es wäre auch alleine gegangen, aber im Arm von Berry fühlte ich mich sicherer.

Zudem gefiel es mir, von Berry umarmt zu werden. Berry ließ mich los und ich ließ mich aufs Bett fallen. Er schnappte sich seine Decke und legte sie fein säuberlich zusammen. Danach begann er, sich anzuziehen.

Eigentlich schade. Er drehte sich weg und ich konnte kurz einen Blick auf seinen blanken Hintern werfen. Ob ich noch einmal fragen sollte? So gut kannten wir uns eigentlich noch gar nicht, dass Berry so fürsorglich an meinem Bett saß und sich um mich kümmerte.

Sein Gesicht war ganz rot geworden, als uns Abby vorhin unterbrach. Er zog ein frisches Tshirt aus der Tasche und verstaute seine Schlafsachen drin. Bevor ich aber etwas sagen konnte, kam schon Abby herein.

„So, essen müsst ihr selbst, ich muss zu meinen Patienten.“

Mit diesen Worten war sie schon wieder verschwunden.

„Willst du auch einen Kaffee?“, fragte mich Berry und riss mich damit aus meinen Gedanken.

„Ähm… was?“

„Ob du auch einen Kaffee möchtest?“

Kaffee? Hm.

„Was gibt es noch?“

„Orangensaft.“

Da stand mir jetzt mehr der Sinn danach.

„Orangensaft… ja.“

Berry stellte mir ein Glas Orangensaft neben das Bett auf den Tisch. Gustav war mittlerweile auch wach und schaute mich mit großen Augen an.

„Könntest du vielleicht Gustav vor die Tür lassen?“, fragte ich.

Berry nickte.

„Gustav, komm Gassi.“

Gustav sprang auf und war noch vor Berry an der Tür. Ich nahm die Gelegenheit wahr, um mir selbst etwas anderes anzuziehen. Mit wackeligen Beinen ging ich zu meinem begehbaren Schrank.

Auch ich suchte mir ein neues Shirt heraus und eine Buggyhose. Etwas unbeholfen schlüpfte ich aus meiner Schlafshorts.

„Tom?“

Mist, Berry war schon zurück.

„Ja, hier…“

Berry erschien an der Tür, als ich mir gerade die Buggy hochzog.

„Ich hätte dir helfen können…“

„Geht schon“, meinte ich, schnappte mir das Tshirt und verließ den Schrank wieder.

„Was willst du auf dein Brot?“, fragte Berry und setzte sich auf den Sessel.

„Ähm… Berry, es ist lieb von dir, dass du dich so um mich kümmerst, aber ich denke, das kann ich doch schon alleine.“

„Nichts da. Ich musste Molly versprechen, mich um dich zu kümmern und dir jeden Wunsch zu erfüllen.“

„Jeden…..Wunsch?“

Ein sanftes Lächeln huschte über Berrys Gesicht.

„Wo ist Molly überhaupt?“

„Öhm… weg – mit Lesley.“

Lesley. Jetzt kam die Erinnerung zurück. Lesley war abgehauen, als ich mich bei ihm geoutet hatte. Berry schien nichts zu wissen, sonst wäre er sicher auch nicht da.

„Schon so früh?“

„Nein, die haben sich gestern auf einen Kurztrip ins Gebirge aufgemacht.“

Fassungslos schaute ich ihn an.

„Und im Freien übernachtet…, also ich meine mit den Schlangen und so?“

„Nein, dort steht eine Blockhütte, die gehörte erst meinem Dad.“

„Gehörte?“

„Ja…, der lebt nicht mehr…“

Shit.

„Sorry…“

„He, ich war klein, als Dad starb, ich kann mich nicht mal richtig an ihn erinnern. Also kein Problem. Jetzt gehört sie Bob und Abby.“

„Machen die das öfter?“

„Was?“

„Auf diese Blockhütte gehen?“

„Ach so. Ja, wenn sie alleine sein wollen… zum quatschen.“

„Läuft da was, zwischen den Beiden?“

„Nicht, dass ich wüsste…, eifersüchtig?“

„Bitte?“

Ob ich eifersüchtig war, fragte er. Also konnte er nicht wissen, dass ich schwul war. Aber… he, es ist meine Cousine…, dass weiß er doch… meinte er das im Bezug auf Lesley?

„Tom?“

Oh Mann, es drehte sich schon wieder alles in meinem Kopf.

„Tooohhhooom?“

„Äh was?“

„Wo bist du laufend mit deinen Gedanken?“

„Weit weg…“

„Das habe ich gemerkt. Kannst du mir dein… >weit weg< mitteilen?“

„Öhm…“

„Sorry… ich wollte dir nicht zu nahe treten.“

„Schon gut, Berry. Aber im Augenblick bin ich irgendwie noch nicht bereit, etwas mehr über mich zu erzählen, da ist auch einfach zu viel in meinem Kopf drin… meine Gedanken sind nicht klar.“

„Du musst mir nichts erzählen…“

Hörte ich da etwas Trotziges aus der Stimme Berrys? Ich drehte mich zu Berry und schaute ihm in die Augen.

„Hör mal… Ich weiß, das mag für sich jetzt komisch klingen. Ich habe nichts gegen dich… eher sogar das Gegenteil.“

Unweigerlich musste ich leicht lächeln, denn Berrys Augen verengten sich. Sein Gesichtsausdruck wurde fragend.

„Aber im Augenblick stürmen derart viele Eindrücke… Gefühle… auf mich ein, dass ich sie nicht alle erfassen kann.“

Berry saß nur da und schaute mich an. Kein Wort… kein Laut drang über seine Lippen, als würde er seine Luft anhalten.

„Ich weiß nicht, ob du mitbekommen hast… was da vorgestern Abend mit Lesley passiert ist…, war wahrscheinlich wieder eine meiner ruhmreichen Taten… um anderen weh zu tun, die mir etwas bedeuten… wie ich es schon oft gemacht habe…“

„Wovon redest du? Andere verletzen…?“

„Hier sitzt ein perfekter Fettnapftreter vor dir, der andere damit verletzt…“

„Glaube ich nicht, du bist…“

„Das kannst du schon glauben“, unterbrach ich ihn.

Berry hob die Hand und strich sanft über meine Wange. Tausend Stromstöße durchfuhren meinen Körper, mein Herz fing wie wild an zu pochen.

„Tom… du bist der erste Mensch, der mich so nimmt wie ich bin. Und…“

Ich wollte etwas erwidern, aber er legte seinen Zeigefinger auf meinen Mund.

„…ich weiß nicht, was dir wer über mich erzählt hat. Aber du bist wirklich der erste, der mir unbefangen begegnet ist. Und so begegne ich auch dir. Egal, was du gemacht hast… was du noch machen wirst und versuche immer … wie soll ich sagen…“

„Unbefangen?“

„Nein.“

„Loyal?“

Berry begann zu grinsen.

„Spinner!“, setzte er noch nach.

„Ich meine das ernst, Tom. Ich mag dich wirklich…, vielleicht mehr, als uns gut tut.“

Hört, hört – es wird immer interessanter.

„Ich wollte dir eigentlich nur sagen… wenn du reden willst, dann kannst du jederzeit zu mir kommen.“

„Das ist lieb von dir…“

Unsere Gesichter standen sich nun sehr dicht gegenüber. Ich versank förmlich in Berrys Blick. Langsam, aber unaufhörlich wanderten unsere Köpfe aufeinander zu.

„Hallo ihr zwei, braucht ihr noch… oh.“

Ohne zu klopfen, hatte Bob meine Tür aufgerissen. Shit!

„Ähm… nein, Berry hat mich bestens versorgt“, antwortete ich.

Natürlich waren wir sofort auseinander gefahren und saßen jetzt mindestens einen Meter auseinander.

„Sorry… störe ich?“, fragte Bob.

Was für eine blöde Frage!!!!!

„Wollte mir eigentlich nur deine Wunde anschauen.“

„Kein Problem“, meinte ich und hob meinen Fuß an.

Bob kam nun endgültig ins Zimmer und trat zu mir.

„Kann ich vielleicht nachher duschen gehen?“, fragte ich.

„Morgen vielleicht…, heute lässt du den Verband bitte noch drauf.“

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