No one else – 5.Türchen

Leicht panisch drehte ich mich um. Konnte ich das Zimmer so lassen? Ich atmete tief durch und öffnete die Tür. Genau in diesem Augenblick fiel mir ein, dass ich nur mit einem Handtuch begleitet war. Verschämt streckte ich meinen Kopf durch den Spalt.

„Guten Morgen, Placido… so früh?“

„Morgen Davide, entschuldige, aber ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Kann ich hineinkommen, mir ist etwas kalt.“

Es war eigentlich egal, was ich anhatte. Er hatte mich am Strand gesehen und auch noch in dieser lasziven Stellung gemalt. Was soll’s. So öffnete ich die Tür und ließ ihn herein. Er trat ein und schnell verschloss ich die Tür wieder, denn es folgte ihm kalte Luft aus dem Flur.

„Ich war gerade beim Anziehen und am Kaffee trinken…, auch einen?“

„Gerne…, danke!“

Ich lief an ihm vorbei, kam aber nicht weit. Er griff nach mir und zog mich dich an sich. Seine kalte Kleidung verpasste mir eine Gänsehaut, aber der Kuss, der folgte ließ dies ganz schnell vergessen.

„Morgen…“, murmelte er und strahlte mich an.

„Morgen…“, meinte ich ebenso und lächelte verlegen, weil sich unter meinem Handtuch etwas zu regen begann.

Ich legte meine Hand auf seine Wange und küsste ihn erneut, bevor ich dann etwas erschrocken zurückwich.

„Du bist ja völlig kalt, bist du hergelaufen?“

„Ähm… nein…“, meinte er verlegen und senkte seinen Blick.

„Wieso bist du dann so eisig?“

„Ähm…, ich wusste nicht… wann du aufstehst… so habe ich schon eine halbe Stunde unten gewartet.“

„Was, warum hast du dann nicht geklingelt und draußen gewartet?“

„An deinem Fenster brannte noch kein Licht, so wollte ich dich nicht wecken.“

„Du bist verrückt“, meinte ich lächelnd und gab ihm erneut einen Kuss.

„Du zitterst…, zieh dir bitte etwas an.“

„Wieso, gefalle ich dir so nicht?“

Ich wusste nicht, warum ich mich plötzlich so frei und unbezwungen fühlte. Auch war mir egal, dass es unter meinem Handtuch mittlerweile beulte und es deutlich zu sehen war. Ich freute mich einfach riesig, dass Placido vor mir stand.

„Doch schon…, aber wenn du noch länger so da stehst, weiß ich nicht was ich tu.“

Verlegen schaute er mich an. So wie er jetzt da stand, war er richtig süß. Ich küsste ihn kurz auf die Nase und ließ ihn los. Schnell lief ich an die Theke und wiederholte die Prozedur mit dem Espressokocher.

„Setz dich“, sagte ich und wies auf die kleine Couch, die dem Bett gegenüberstand.

Die Herdplatte an und schnell zu meinem Schrank. Jetzt hieß es, weiter Nerven zu behalten und normal zu wirken. Ich zog eine frische Shorts heraus und ließ das Handtuch vom Körper gleiten.

Placido hatte mich im Urlaub nie nackt gesehen, doch hatte er mich wirklich gut getroffen, auf dem Bild. Ein kleiner Pfiff ließ mich meiner Gedankenwelt entfliehen und schnell war die Shorts über meinen Hintern gezogen.

„Wow!“, konnte ich es hinter mir hören.

Mit knallrotem Kopf drehte ich mich um und zeigte auf ihn.

„Bitte komm nicht auf den Gedanken und zeichne mich so“, meinte ich verlegen.

„Warum“, grinste er, „du brauchst dich nicht zu verstecken!“

„Ich will einfach nicht, dass ganz Florenz weiß, wie ich unter meinen Klamotten aussehe, das darf nur eine Person.“

Umständlich schlüpfte ich in meine Jeans und dachte, ob es nicht besser gewesen wäre, das Shirt zuerst anzuziehen. Dann fiel mir die Kälte wieder draußen ein. So änderte ich kurzfristig meine Bekleidungsvorstellungen und zog ein Muscleshirt heraus, welches wenig später meinen Oberkörper zierte.

„Ist das nicht zu kalt?“, fragte Placido verwundert.

Ich zauberte einen dicken Wollpulli aus dem Schrank und hängte ihn über meine Schulter.

„Nein mit dem Teil nicht“, erklärte ich und lief zur Theke zurück.

Der Kaffee war mittlerweile durchgelaufen und ich griff nach einer neuen Tasse.

„Pur, oder mit Schuss?“

„Pur…, danke.“

So goss ich seine Tasse voll und servierte ihm seinen Kaffee. Dann schlüpfte ich in den Wollpulli und ging erneut an meinen Schrank. Schnell waren die Socken gefunden und der Schrank verschlossen.

Ich ließ mich auf meinen Barhocker nieder und zog die Socken an, kurz danach noch die Schuhe und schon war ich fertig.

„Warum hetzt du so?“, fragte Placido mich.

„Weil ich meinen Kaffee noch etwas warm genießen will, der jetzt schon mindestens zehn Minuten hier steht.“

Grinsend griff ich nach meiner Tasse und ging zu ihm hinüber, mich neben Placido nieder zu lassen. Etwas gestresst, atmete ich tief durch und genoss nun endlich auch meinen ersten Schluck.

Wie vermutet, nicht mehr so heiß, aber trotzdem noch das volle Aroma. So liebte ich das.

„Was steht heute an?“, wollte ich wissen.

„Oh… ja“, meinte Placido, als hätte ich ihn aus den Gedanken gerissen, „Moment.“

Er zog den Reisverschluss seiner Jacke auf und sein Handy kam zum Vorschein.

„Lass mich mal sehen…“

Er drückte ein paarmal auf das Display.

„… also Besichtigung einer Galerie, die nach der Ausstellung im Museum, meine Bilder ausstellt und zum Kauf anbietet…, dann…“

„Meins auch?“, rutschte mir Gedankenlos heraus.

Er drehte den Kopf zu meiner Seite und begann zu grinsen.

„… eigentlich nicht…, aber ich bekam heute Morgen recht früh einen Anruf aus den Staaten.“

Warum bekam ich so ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.

„Die Fotografien der Bilder wurden bereits im Net veröffentlicht und es sind bereits mehrere Gebote eingegangen…, auch für dein Bild.“

Ich schluckte.

„Was denkst du…, bist du wert?“, grinste er.

„Ähm…, entschuldige…, so war das nicht gemeint…“

„Eineinhalb Millionen!“

„DOLLAR?“, entfuhr es mir.

„Nein, Euro!“

„… ähm… Wahnsinn.“

„Aber keine Sorge, ich habe nie vorgehabt, dieses Bild zu verkaufen.“

„Aber…, aber warum hast du es dann ausgestellt?“

„Weil ich der Welt zeigen wollte, was für ein Glückspilz ich bin, so einen bezauberten Menschen kennen gelernt zu haben…“

Sein Gesicht näherte sich.

„… und deswegen lässt du dir eineinhalb Millionen entgehen…?“

Auch mein Kopf wanderte auf ihn zu. Fast flüsternd sprach er weiter.

„ Geld ist nicht das wichtigste, du bist…“

Weiter kam er nicht, denn meine Lippen versiegelten seinen Mund.

*-*-*

In seinem angenehm temperierten Wagen wurden wir zur Redaktion gebracht. Dass Letizia sich nicht noch einmal meldete und sich nach meinem Verbleib erkundigte, wunderte mich. Höflich bedankte ich mich beim Fahren für das Bringen und stieg mit Placido aus.

Der alte Kasten, den wir betraten, hatte schon bessere Tage gesehen, zumindest von außen. Innen war er aber modern eingerichtet. Ich öffnete meine Jacke, denn hier war gut geheizt. Gemeinsam bestiegen wir den Aufzug und ließen uns in den zweiten Stock bringen.

Placido schaute sich um und folgte mir zu Letizias Büro. Ich klopfte an die Tür und trat ein.

„Morgen!“, meinte ich und lächelte sie an.

„Wolltest du nicht gleich da sein…“, meinte sie leicht gepestet, aber mit einem kleinen Lächeln.

„Tut mir leid, ich wurde etwas aufgehalten.“

„Etwas… soso…“

In diesem Augenblick trat Placido ein.

„Placido… guten Morgen, welch eine Freude!“

Sie stand auf und umrundete ihren Schreibtisch.

„Morgen, Letizia, verzeih, wenn ich deinen Schreiberling etwas aufgehalten habe.“

Sie umarmten sich und begrüßten sich mit Küsschen auf die Wangen.

„Na gut, ich verzeihe dir noch einmal.“

Sie lief an ihren Platz zurück.

„Gut, dass du da bist, dann kann ich dich gleich selbst fragen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass die ersten Gebote für deine Bild herein gekommen sind. Ist es war, dass jemand 700.000 Euro für Davides Bild geboten hat?“

Ich musste kichern, denn ausnahmsweise war ich mal besser informiert, als Letizia.

„Ich wundere mich zwar, wie du so schnell an diese Information gekommen bist…“

„… keine Chance, ich gebe meine Quellen nicht preis!“

„Das wollte ich nicht sagen, eigentlich nur, dass du falsch informiert wurdest. Das letzte Gebot liegt bei eineinhalb Millionen!“

„WAS? EINEINHALB MILLIONEN?“

Das hatte sicher das ganze Stockwerk gehört. Grinsend nickte ich.

„Wahnsinn…!“

„Das habe ich auch gesagt“, warf ich ein.

„Davide, du bist ja ein richtiger Goldjunge“, kam es fasziniert von Letizia.

„Ich werde es nicht verkaufen“, unterbrach Placido Letizias Jubel.

„Was? Bist du verrückt?“

„Ja, verrückt nach dem da!“, meinte er und stubste mich an.

„Ich fasse es nicht!“

„Letizia, beruhige dich wieder. Placido hatte nie vorgehabt, es zu verkaufen.“

„Aber du kannst dir doch nicht die ganze Kohle entgehen lassen.“

„Doch… kann ich, auch wenn ich das Original habe“, erwiderte er und nahm mich dabei in den Arm.

„Oh Gott, wie romantisch. Ihr seid gemein, wie soll ich das ertragen?“

„Schau zu und genieße“, meinte Placido und bevor ich richtig schauen konnte, hatte er mich an sich gezogen und küsste mich innig auf meinen Lippen.

„Hört auf, oder ich sterbe“, rief Letizia laut.

Die Tür ihres Büros wurde aufgerissen und Vasco, der Sportredakteur kam herein gestürzt.

„Letizia…, alles in Ordnung?“

„Vasco, hast du schon mal etwas von Anklopfen gehört, wie du siehst, bin ich nicht alleine.“

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