No one else – 10.Türchen

Ich versank ich seinen funkelten Augen und verlor mich in seinem Kuss den er mir gab. Tief in mir drinnen machte sich ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit breit.

„Davide, du besitzt etwas Magisches, ich weiß nicht, was es ist, es zieht mich an und ich kann nichts dagegen tun!“

Hä? Das wollte ich eigentlich von ihm behaupten, also zogen wir uns gegenseitig an.

„Ähm…, willst du etwas dagegen tun?“, fragte ich verlegen.

„Nein!“

Und bevor ich etwas sagen konnte, presste er seine Lippen wieder auf den meinen und ich spürte erneut, wie seine Energie durch meinen Körper floss. Fast war ich bereit meine gute Kinderstube zu vergessen, denn meine Hände gingen auf Wanderschaft.“

„Halt…, halt… halt, keine gute Idee“, sagte er plötzlich und hielt meine Hände fest.

Enttäuscht und auch verwundert starrte ich ihn an.

„Entschuldige…, wenn ich was gemacht habe, was dir nicht gefällt“, sprach ich leise.

„Hör auf, dich zu entschuldigen! Du hast nichts falsch gemacht, aber ich garantiere dir, wenn du weiter machst, landen wir im Bett und niemand  wird uns an diesem Tag zu Gesicht bekommen.”

Natürlich spürte ich, dass seine Erregtheit gegen mich drückte und er spürte diese sicherlich meinerseits auch. Ich strahlte ihn an und gab ihm einen Kuss.

„Ich liebe dich, Placido Romano!“

„Das spüre ich…, mit jeder Faser meines Körpers.“

Sanft strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht.

„Aber lass uns jetzt gehen, sonst kann ich wirklich nicht mehr garantieren, nicht über dich herzufallen.“

„Ein verlockendes Angebot!“, lächelte ich ihn an.

Er ließ mich los. Etwas unsicher starrte ich auf meinen Koffer.

„Was ist?“

„Ich frage mich gerade, ob dir überhaupt etwas an meinem Outfit gefällt.“

„Halt… Stopp! Bevor du auf dumme Gedanken kommst. Mir gefällst du, so wie du bist! Es geht mir lediglich um die Sachen, wenn du mich begleitest. Wenn wir privat sind, zieh bitte das an, was dir gefällt!“

„Danke…“

„Nicht dafür.“

*-*-*

Der Fahrer hatte unten auf uns gewartet und uns zurück zum Hotel gebracht. Dort wurden wir von Gasparo empfangen, der mir meinen Koffer abnahm. Woher er wusste, dass wir gerade vorfuhren, verstand ich nicht.

Aber ein guter Butler schien immer gut informiert zu sein, was sein Herr gerade machte. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich einen Fotografen.

„Da macht einer Bilder von uns“, flüsterte ich leise Placido zu.

„Bist du sicher?“, fragte Placido, ohne sich umzuschauen.

„Ja, er steht da drüben an der Mauer, rechts von uns.“

Ich sah wie Placido mit den Augen nach rechts schaute, ohne seinen Kopf nach dort zu drehen.

„Okay“, meinte er und dann machte er etwas, was mich verblüffte.

„Gasparo, bringen sie die Sachen nach oben. Ich werde mit meinem Freund“, begann er und legte einen Arm um mich, „ noch shoppen gehen, Alfredo hat mir das Ermenegildo Zegna empfohlen.“

„Eine sehr gute Wahl, Signore Romano, sie werden sicherlich etwas Passendes finden.“

„Dass hoffen wir, Gasparo…, nicht Davide“, sagte er und drückte mir einen  Kuss auf die Wange.

Ich nickte verlegen und versuchte mich vorsichtig aus seiner Umarmung zu lösen. Doch er war kräftiger als ich und so blieb mir nichts anderes übrig, als in dieser Stellung zu verharren.

„Wäre es möglich, die Sachen, die wir erwerben werden, ans Hotel zu schicken und sie kümmern sich darum?“

„Kein Problem, Signore Romano.“

„Wir werden nach dem Einkauf außerhalb Essen gehen und spät zurück sein.“

„Sie werden dann alles in ihrer Suite vorfinden.“

„Danke Gasparo!“

Er verbeugte sich wieder leicht und verschwand mit meinem Koffer im Hotel, während Placido sich leicht nach rechts drehte, nach meiner Hand griff und mich nach vorne zog.

„Ich denke, das Stück bis zu Ermenegildo Zegna können wir laufen, es ist nur zwei Straßen weiter, an der Ponte S. Trinità.“

Zielsicher hielt Placido auf den Fotografen zu, der wie ich total perplex war und uns anstarrte. Sicher war es ihm noch nie passiert, dass sein Motiv schnurr stracks auf ihn zu hielt. Aber Placido hatte wohl nicht vor, ihn anzusprechen, denn er lief einfach an ihm vorbei und schenkte ihm weiter keine Notiz.

„Vielleicht werde ich mir auch etwas zulegen, war schon lange nicht mehr bei einem Herrenausstatter.“

„Ähm…, was war das jetzt?“

„Was meinst du?“

„Der Fotograf?“

„Ach der. Beachte ihn am besten nicht weiter. Es ist so, je mehr du gegen die Bilder wehrst, umso begehrter werden sie. Wenn wir normal damit um gehen, wird es auch bald ein normaler Anblick für andere sein.“

Dein Wort in Gottes Gehörgang, dachte ich für mich, genoss es aber so dicht neben Placido herzulaufen. Er hatte warme Hände und so war es ein schönes Gefühl, meine kalte Hand in seiner warmen Hand zu wiegen. Die andere wanderte in meine Jackentasche.

*-*-*

Freundlich wurden wir bei Ermenegildo Zegna empfangen, man hatte uns anscheinend im Vorfeld angemeldet und beide mit Namen angesprochen. Ein junger Mann kam mit zwei Gläsern Champagner auf uns zu und reichte sie uns.

Placidos Augen funkelten herrlich, er prostete mir zu und nippte an seinem Glas. Der Geschäftsführer verwies uns an einer seiner Ausstatter und wir wurden nach unseren Vorstellungen gefragt.

Ich brauchte gar nichts zu sagen, denn Placido wusste ganz genau, was er an mir sehen wollte. Er traf genau meinen Geschmack. Die nächsten zwei Stunden war ich mit der Anprobe beschäftigt und dann um zwei Anzüge, einen langen Mantel und einem schwarzen Smoking reicher.

Natürlich gab es dazu auch das passende Schuhwerk, Socken und Hemden dazu.

„Wie gefällt dir die Jacke?“, fragte Placido und zog einen schwarzen Daunenparker mit Fellbesatz an der Mütze hervor.

Ich hatte aufgegeben, nach dem Preis zuschauen, denn diese Sachen konnte ich mir nie und nimmer leisten. Alles im vierstelligen Bereich. So redete ich mir ein, dass es wirklich Arbeitskleidung war.

„Gut!“

„Dazu die schwarze Jeans, die dir vorhin so gut gefallen hat.“

Es war ihm nicht entgangen, so langsam spürte ich seine Aufmerksamkeit, wie er sein Umfeld beobachtete. Ich gab keine Antwort und lächelte ihn an.

„Dazu noch den weiße Wollpullover, davon nehme ich aber auch einen…“, meinte er mehr zu dem Verkäufer, als zu mir.

Ich sah weder eine Checkkarte, noch Geld. Placido regelte alles und wir verließen den Laden.

„Danke“, meinte ich und küsste ihn auf die Wange, ohne mir darüber Gedanken zu machen, ob uns jemand sah, oder nicht.

„Weißt du, dass du verdammt sexy in den Sachen aussiehst?“

Er brachte es immer wieder fertig, dass ich verlegen wurde.

„Nochmal danke“, meinte ich, weil ich nicht wusste, was ich darauf erwidern sollte, „ähm… und was machen wir jetzt?“

„Deiner Chefin einen kurzen Besuch abstatten und danach einen Espresso trinken gehen.“

Ich nickte und wir liefen los.

*-*-*

„Klar komme ich mit!“, freute sich Letizia, „und was habt ihr heute gemacht?“

„Ein Haus besichtigt, feudal zu Mittag gegessen und eben waren wir bei Ermenegildo Zegna“, antwortete ich.

Sie schaute zu Placido.

„Fündig geworden?“, wollte sie von ihm wissen.

„Du hättest Davide in den Sachen sehen sollen, er sah aus wie ein junger Gott!“, schwärmte Placido Letizia vor.

„Du hast ihm Sachen gekauft?“, fragte sie erstaunt, „ habe ich da etwas verpasst.“

„Alles Arbeitskleidung, versuchte ich ernst zu sagen.“

„Arbeitskleidung… aha.“

Placido strahlte neben mir und ich konnte es mir auch nicht verbeißen zu grinsen, währenddessen schaute Letizia zwischen uns hin und her.

„Aber ich denke, du wirst unseren Davide hier in den Sachen bald zu sehen bekommen.“

„Wieso?“

„Mein Agent hat mir doch noch ein paar Termine aufgebrummt und da habe ich mich entschlossen euch beide mitzunehmen.“

„Mich auch?“, fragte Letizia erstaunt.

„Ja und dann wollte ich fragen, ihr habt hier doch sicher Hauseigene Fotografen?“

„Ja, klar sicher, warum fragst du?“

„Wäre es möglich, einen auszuleihen. Ich möchte gerne, dass ihr die alle Fotos zuerst bekommt, die über mich veröffentlicht werden.“

„Außer die von den Paparazzi“, rutschte mir heraus.

„Klar, gegen die können wir nichts machen.“

„Denkst du, sie werden jemand auf dich ansetzten?“, wollte Letizia wissen.

„Wir wurden heute Mittag bereits fotografiert“, erzählte er.

„Hoffentlich nichts Peinliches“, kicherte Letizia.

„Was heißt hier peinlich, ich darf doch wohl meinen Freund küssen, wo ich will.“

„Ihr habt euch geküsst?“

Jetzt hatte sie die Schallmauer durchbrochen und jeder auf dem Stockwerk hatte sie sicher gehört.

„Einen Kuss auf die Wange…“, beschwichtigte ich sie.

„Ihr seid also jetzt fest zusammen?“, fragte Letizia leiser beiläufig.

Ich grinste verlegen und Placido schien dies Wohl beweisen zu wollen. Er packte mich und küsste mich innig auf den Mund.

„Oh Gott, hört auf, ich werde neidisch!“, kam es von Letizia.

Leicht benommen lehnte ich mich gegen die Wand.

*-*-*

Gasparo hatte Wort gehalten und für uns drei einen Tisch im Santo Bevitore bestellt. Schnell waren wir uns über das Essen und den Wein einig. Ich bemerkte ein Pärchen ein paar Tische, die immer wieder zu uns herschauten. Plötzlich stand der Mann auf und kam an unseren Tisch gelaufen.

„Ich bitte die Störung zu entschuldigen. Wäre es möglich, ein Autogramm zu bekommen? Meine Frau war begeistert von der Ausstellung.“

„Aber natürlich“, antwortete Placido und zog schon einen Stift aus seiner Jacke hervor.

„Ähm…, ich meine den jungen Herrn, der auf dem großen Bild zu sehen war…“, meinte der Mann verlegen und schaute mich dabei an.

„Sie meinen mich?“

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1 Kommentar

    • Gerd auf 10. Dezember 2016 bei 07:08
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    Wieder eine Spitzenfortsetzung mit diesem kleinen Cliffhanger am Schluss:-)

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