No one else – 15.Türchen

Wie verabredet, trafen wir uns vor der Kathedrale. Nach einer warmherzigen Begrüßung reichte Letizia mir eine Zeitschrift.

„Was soll ich mit der?“

„Schlag mal Seite dreiundzwanzig auf!“

Wie befohlen, blätterte ich bis zu dieser Seite und ließ fast die Zeitung fallen. 

„Scheiße…“, entfleuchte es mir.

„Was denn?“ wollte Placido wissen.

Ich hielt ihm die Zeitschrift unter die Nase und er nahm sie entgegen. Auf seinem Gesicht machte sich ein Grinsen breit.

„Gut getroffen, fast schon romantisch“, entgegnete er.

„Hä?“, entfleuchte es mir.

Das Bild zeigte uns am Vorabend, wie wir uns innig küssten. Wie befürchtet hatte uns ein Paparazzo gefunden und fotografiert. Darunter stand natürlich nur erfundenes. Dort wurde ich als zwanzig Jähriger beschrieben, der den armen Placido Romano regelrecht verführte. Natürlich war auch das gemalte Bild etwas darunter abgebildet.

„Na zumindest haben sie deinen Namen nicht, außer du hast ihn in Tomaso ändern lassen“, meinte Letizia gelassen.

Placido machte komische Fratzen.

„Seh ich wirklich so alt aus?“, fragte er plötzlich.

Letizia fing an zu lachen, während ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte.

„So hat die Jagd nach einem guten Foto endlich begonnen“, sprach er weiter.

„Man könnte meinen, dir gefällt das“, stellte ich fest.

„So gesehen, ist es nicht ganz unangenehm, den es ist kostenlose Werbung für mich, weil immer bei Berichten über mich auch irgendein Bild abgedruckt wird.“

„Dieses Mal ist es der nackte Davide“, meinte Letizia amüsiert.

„Halt! Ich bin nicht ganz nackt“, protestierte ich.

„Dann hast du wohl nicht richtig hingesehen“, kicherte meine Chefin.

Verwirrt wollte ich Placido die Zeitschrift aus der Hand nehmen, aber verhinderte das und ich griff ins Leere.

„Hola, die Waldfee, bist du wirklich so schlecht ausgestattet?“

„Bitte?“, fragte ich entsetzt.

Dieses Mal bekam ich die Zeitschrift zu greifen und schaute mir im schwachen Laternenlicht, mir das Bild genau an. Letizia hatte recht, ich lag da, ohne etwas an. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, das Tuch über meinem Schwanz weg zu retuschieren.

Woher er dieses Teil hatte, wusste ich nicht, es sah fast do aus, als er hätte er als Vorlage Michelangelos David genommen. Ein Mann wie ein Gott, aber mit winzigen Schanz.  Ich wollte und konnte Placidos Frage jetzt nicht beantworten.

Erstens war mir dieses Thema vor Letizia peinlich und zweitens würde Placido mit gegebener Zeit das selbst herausfinden, besser gesagt vor die Augen bekommen. Mit einem schiefen Grinsen gab ich die Zeitung Letizia zurück.

„Danke, das werde ich mir rahmen lassen und in meinem Büro aufhängen.“

„Mich?“

„Du doch nicht, nein euer erster Kuss in der Öffentlichkeit.“

„Das war nicht unser erster“, meinte ich kleinlaut.

„Ach das ist jetzt egal. Komm lasst uns endlich auf den Weihnachtsmarkt gehen, deswegen sind wir ja hier. Sie hängte sich bei uns beiden ein und so liefen wir los.

*-*-*

Telefonklingeln riss mich aus meinen Traum und der schöne warme Strand verschwand.

„Ja…, danke!“, hörte ich Placidos Stimme.

Er lag neben mir auf dem Bauch. Das wäre ja normal, aber Placido war aufgedeckt und nackt. Dieser geile Hintern der mir entgegen prangte, machte Michelangelos David alle Ehre, dachte ich für mich, als die Erinnerung an gestern zurück kam.

Bis jetzt hatte sich Placido noch nicht großartig bewegt, sein Kopf lag abgewandt von mir. Lediglich seine Hand wanderte wieder zum Telefon und legte den Hörer ab. Ich drehte mich zur Seite und stütze meinen Kopf ab.

„Guten Morgen“, sagte ich leise.

Placidos Kopf drehte sich, bis ein offenes Auge zum Vorschein kam.

„Morgen…“, brummte er.

„Alles in Ordnung?“

„Du hattest recht, ich hätte nicht so viel Glühwein trinken dürfen“, erklärte er und rieb sich durch sein wirres Haar.

Ich lächelte.

„Er schmeckt ab auch so verdammt gut.“

„Und geht durch seine Süße gleich ins Blut.“

Placido schaute an sich herunter, dann blickte er zu mir.

„Habe ich etwas verpasst?“

Ich setzte mich auf und lehnte mich an die Wand hinter mir.

„Was meinst du?“, fragte ich scheinheilig.

„Ich nackt, mit dir im Bett…“

Ich schüttelte den Kopf.

„Du bist schon beim Kuscheln eingeschlafen“, kicherte ich.

„Gut!“

„Hä, wieso gut?“

„Weil ich mich jetzt ärgern würde, nicht mehr zu wissen, wie der Sex mit dir war.“

„Du kannst beruhigt sein, wir hatten keinen, der Glühwein hat dich flachgelegt, nicht ich.“

Ohne einen weiteren Ton zu sagen, zog mich Placido zu sich herunter und küsst mich innig. Seine Hände gingen auf Wanderschaft und streichelten über meinen Rücken, was mir ein leises Stöhne entlockte.

Schon diese kleine Geste ließ mich hart werden und mein Kuss wurde fordernder. Er drehte sich nun völlig und ich rutschte auf ihn. Seine warme, weiche Haut verstärkte das Gefühl, die Sehnsucht nach seinem Körper, seinen Berührungen, die ich bisher so noch nicht erleben durfte.

Aber daran war ich wohl selbst schuld. Seine Zunge bohrte sich tief in meinen Mund und tanzte wild umher. Ich blieb selbst auch nicht untätig und meine Hände gingen ebenso auf Wanderschaft.

Das Geräusch einer sich öffneten Tür unterbrach unser Treiben jäh und ich rutschte von ihm herunter. Placido zog meine Decke über sich und schaute mir verträumt in die Augen.

„Nichts vergessen! Da machen wir später weiter!“, flüsterte es leise, als jemand an der Schlafzimmertür klopfte.

„Herein“, rief Placido und ließ seinen Kopf ins Kissen sinken.

Ich dagegen saß neben ihm, mit der Decke das Nötigste verhüllt. Die Tür ging auf und Gasparo trat ein.

„Guten Morgen die Herren, ich hoffe sie hatten eine gute Nacht?“

Wenn er jetzt auf den nicht vorhanden Sex anspielte, da musste ich ihn enttäuschen. Placido hatte sein Bein angewinkelt, so konnte man von Gasparos Sicht weder Placidos oder meine Erregung sehen. Was er dachte, war ihm aber nicht anzusehen.

Entweder war er unseren Anblick schon gewohnt, oder er traf schon frühere Gäste so an. Sein Gesicht und Augen ließen keinerlei Gedanken erkennen.

„Ja, danke Gasparo. Bitte das Frühstück ins Zimmer…“, meinte mein Bettnachbar, ohne aufzuschauen.

„Wie die Herren wünschen.“

„Wie kommt unser Bauprojekt voran?“, wollte Placido wissen.

„Ich habe mir erlaubt, ihnen ein kleines Dossier zusammenzustellen, es liegt draußen auf dem Schreibtisch.“

„Danke Gasparo“, kam es wieder von Placido und der Butler entfernte sich wieder aus dem Schlafzimmer.

Während ich wartete, draußen die sich schließende Tür zu hören, setzte sich Placido ebenso aus. Sein Muskelspiel dabei, faszinierte mich. Er lehnte sich zu mir und gab mir einen Kuss auf die Nase.

„Gehen wir duschen?“

Ich grinste breit und nickte.

„Was hältst du eigentlich von einem Dreier?“, fragte er mich mit einem verschmitzten Lächeln.

Leicht entsetzt schaute ich ihn an.

„Das war nur Spaß, auch wenn der Kleine verdammt scharf aussieht“, beschwichtigte mich Placido, der wohl meinen Blick gedeutet hatte.

Er stand auf und mit hartem wippenden Schwanz lief er zum Bad.

„Kommst du?“, fragte er und grinste dabei süffisant.

„Gerne“, antwortete ich und schlug die Decke zurück.

„Wow, soviel Tuch hätte ich gar nicht zeichnen können, um das zu verbergen.“

Ich lachte und folgte ihm ins Bad.

*-*-*

In unseren Bademänteln saßen wir beim Frühstück. Natürlich war unter der Dusche außer Küssen und Umarmungen nichts passiert, auch wenn es uns beide sicher schwer gefallen war, nicht übereinander herzufallen, aber wir wollten diesen besonderen Moment, unser erstes Mal für später aufheben.

„Ich werde mich nie an diese Brötchen gewöhnen“, meinte Placido, legte seins in den Korb zurück und nahm sich einen Toast, während ich mich über mein gekochtes Ei hermachte.

„Wieso?“

„Wenn du einmal im Ausland richtige Brötchen gegessen hast, dann willst du die geschmacklosen Dinger hier nicht mehr haben.“

„In den Genuss kam ich noch nicht.“

Placido griff nach meiner Hand und lächelte mich an. Lange schaute er mich an, ohne etwas zu sagen.

„Was?“, wollte ich wissen.

„Ich kann das immer noch nicht fassen, dich bei mir zu haben.“

Ich beugte mich nach vorne und gab ihm einen Kuss.

„Was steht heute an“, wollte ich wissen und nahm mir ein neues Brötchen.

„Ich weiß nicht recht, heute Mittag habe ich zwar einen Termin mit dem Architekten, aber eigentlich wollte ich es ruhig angehen lassen.“

„Soll ich dich begleiten?“

„Klar, ich will dich bei mir haben“, meinte er und küsste mich.

„Wenn du nichts dagegen hast, werde ich mich meinen Notizen widmen, schließlich muss ich Ende des Monats einen Bericht abliefern, sonst wird Letizia zur Bestie.“

„Kein Problem, Gasparos kleines Dossier erstreckt sich über mehrere Seiten, da habe ich ebenfalls zu tun.“

Wie ausgemacht, widmete sich jeder seiner Belange. Ich saß am Schreibtisch vor meinem Laptop, während Placido sich des Sofas bemächtigt hatte und dort Gasparos Zusammenstellung lass.

„Der Architekt fragt nach der Küche, klassisch oder eher modern?“

Ich drehte mich zu Placido und überlegte.

„Kochst du gerne?“, wollte ich wissen.

„Ja, aber bisher hatte ich nicht die Zeit dazu.“

„Dann empfehle ich eine moderne funktionelle Küche im alten Stil. Bei den heutigen Möbeln ist alles möglich.“

Placidos Handy ging und er nahm das Gespräch entgegen. Sein Ton wurde leiser, er stand auf und verschwand im Schlafzimmer. Kurze Zeit später kam er zurück und steuerte unseren kleinen Balkon zu, riss die Tür auf und steckte sich eine Zigarette an. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten.

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1 Kommentar

    • Andi auf 15. Dezember 2016 bei 15:10
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    Hallo Pit, macht Spaß zu lesen, die Folgen sind nicht zu lang, nicht zu kurz. Bin gespannt, was als nächstes passiert.
    Viele liebe Grüße Andi

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